PATIENTEN-NEWS

Diabetiker: Weniger Zahnarztbesuche als nötig

Eine vor wenigen Wochen veröffentlichte Studie seitens der Universität in New York zeigte auf, dass ausgerechnet diejenigen Menschen, die aufgrund einer chronischen Diabetes-Erkrankung am ehesten regelmäßige zahnärztliche Unterstützung benötigen, vergleichsweise eher selten zum Zahnarzt gehen. Das zeigte eine Umfrage unter rund 2,5 Millionen US-Bürgern. Etwas häufiger, aber immer noch zu wenig, zumal im Vergleich mit gesunden Befragten, nutzten Patienten mit einer Diabetes-Vorstufe die zahnärztlichen Begleitbehandlungen. Unsicher sind sich die Wissenschaftler hinsichtlich möglicher Gründe: Sie halten sowohl Kostenaspekte für möglich als auch mangelndes Bewusstsein für den besonderen Bedarf nach regelmäßiger mundgesundheitlicher Kontrolle. Unter anderem müsse der Zugang zu zahnärztlichen Leistungen in den USA optimiert werden. In Deutschland ist dieser aufgrund entsprechender Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen erheblich leichter und bietet bedarfsgemäß individuell benötigte Leistungen von kassenfinanzierten Kontrolluntersuchungen bis hin zu spezifischen Behandlungsschritten im Privatleistungsbereich.

Herpesviren: Auch an Parodontitis beteiligt?

Wie ein jüngst veröffentlichter Fachbeitrag in einer zahnärztlichen Zeitschrift darstellt, könnten Herpes-Viren am entzündlichen Geschehen einer Parodontitis beteiligt sein. Mit Herpesviren sind rund 80 % der Bevölkerung infiziert – mit regionalen Unterschieden in der Ausprägung. Bei den meisten zeigt sich kein akutes Krankheitsgeschehen – bei Erstinfektion kann kaum etwas zu spüren sein, während andere, vor allem immungeschwächte Personen und Schwangere unter erheblichen bis gefährlichen Folgen leiden können. Herpesviren bleiben lebenslang ruhend im Körper und können unerwartet in einer Erkrankung ausbrechen. Forscher haben nun entdeckt, dass auch im Speichel unter dem Zahnfleischrand und sogar im Zahnfleisch selbst Herpesviren zu finden waren – und zwar dort am meisten, wo auch eine Zahnbettentzündung (Parodontitis) weit fortgeschritten war. Dagegen fand man bei mundgesunden Patienten in dieser Region kaum Hinweise auf virale Belastung. Die Untersuchungen zeigen, dass in Verbindung mit Herpesviren auch schädliche bakterielle Keime um ein vielfaches aggressiver wirken. Auch auf einen nicht unproblematischen Aspekt weisen die Wissenschaftler hin: Da sich aggressive Viren und Keime in der Speichelflüssigkeit unter dem Zahnfleischrand befinden, ist eine direkte Übertragung zwischen Personen möglich. Hilfreich sind vor allem zahnärztliche Behandlungen, die die bakterielle-Belastung reduzieren: Sinkt diese, reduziert sich gleichermaßen das virale Risiko.

Milchzähne: Fluorid-Lack nützt

Unterstützung für diese Form des Milchzahn-Schutzes kam kürzlich von höchster Stelle: Das IQWIG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen), das für seine meist kritischen Positionen zu verschiedenen Behandlungsmaßnahmen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen bekannt ist, gab für Fluorid-Lack zur Kariesvorbeugung bei Milchzähnen grünes Licht. In der Stellungnahme machte das IQWIG deutlich, dass es bei der Zahngesundheit der unter drei Jahre alten Kinder kaum Verbesserungen gebe: Während bei den älteren Kindern und den Erwachsenen die Kariesfreiheit erheblich gestiegen ist, ist sie bei den kleinen Kindern unverändert auf bedenklichem Niveau. Zitat aus der Stellungnahme: „Kinder sind besonders anfällig für Karies, denn bei den ersten Zähnen ist der Zahnschmelz empfindlicher als bei bleibenden Zähnen." Insbesondere bei kleinen Kindern könne die Mundhygiene und damit die Vorbeugung von Karies eine Herausforderung sein. Klare Botschaft des IQWIG: „Fluoridlack trägt wirksam zur Remineralisierung der Zahnoberfläche bei und verhindert die Entstehung und das Fortschreiten von Karies. Speziell bei kleinen Kindern bietet der Einsatz von Fluoridlack Vorteile, weil er schnell aushärtet."

BARMER-Studie: Frauen gehen öfter zum Zahnarzt

In ihrem diesjährigen sogenannten „Zahnreport", den die BARMER alljährlich auf ihrer Datenbasis erstellt, ist ablesbar, dass offenbar Frauen häufiger die zahnärztliche Praxis aufsuchen als Männer. Während im Jahr 2016 rund zwei Drittel aller Männer mindestens einmal die Zahnarztpraxis aufgesucht hatten, waren es drei Viertel aller Frauen. Die kürzlich veröffentlichten Daten zeigen auch, dass Frauen – es geht bei dieser Studie einer gesetzlichen Krankenkasse nur um „Kassenleistungen" beim Zahnarzt –auch mehr zahnärztliche Leistungen in Anspruch nehmen als Männer. Entsprechend sind die durchschnittlichen Kosten, die die BARMER für die zahnärztliche Behandlung ihrer männlichen Mitglieder bezahlt, auch deutlich niedriger (177 Euro/Männer gegenüber 196 Euro/Frauen). Das wird auch an einem Detail deutlich: Doppelt so viele Frauen wie Männer erhalten eine Aufbiss-Schiene (z.B. gegen stressbedingtes Knirschen). Frauen nehmen zudem etwas häufiger als Männer an Parodontitis-Diagnostik teil. Die Krankenkasse sieht dies als Bestätigung für das „nachweislich höhere Gesundheitsbewusstsein von Frauen."

Parodontitis: Behandlungs-Kontinuität hilft

Eine aktuelle Studie unter Leitung von Prof. Dr. Renate Deinzer, Universität Gießen, ist der Frage nachgegangen, wie eine Parodontitis-Behandlung noch erfolgreicher, vor allem aber nachhaltiger Besserung bringt. Unter anderem hat sich dabei gezeigt, dass diejenigen Patienten, die in Parodontitis-bezogener Mundhygiene immer wieder geschult als nur einmalig unterwiesen wurden, deutlich bessere Mundpflegeergebnisse hatten. Ebenfalls wenig erstaunlich, aber nun immerhin bestätigt ist der Effekt der Therapie-Treue: Diejenigen Patienten, die über Jahre hinweg die Angebote einer so genannten unterstützenden Parodontitis-Behandlung nutzen, hatten im Verlauf der Beobachtungsjahre deutlich weniger Zähne verloren als die Vergleichsgruppe. Es hat sich allerdings auch gezeigt, dass es weiteren Forschungsbedarf gibt, um direkte Zusammenhänge zu überprüfen – die Wissenschaftler bedauerten entsprechend, dass es keine finanziell ausreichenden Forschungsgelder für eine über mehrere Jahre laufende komplexe Studie gebe, hier sei auch Unterstützung im Sinne der öffentlichen Gesundheitsvorsorge notwendig.